32. SCHLAF
Gehen wir ein wenig in die Vergangenheit zurück, bis ins Jahr 1999. In diesem Jahr veränderte sich die Welt endgültig: Auf dieses Jahr datieren wir den Beginn der jüngsten Dotcom-Ära, als das Internet als solches explodierte und sich weltweit über die sechs Kontinente ausbreitete.
Ungefähr zu dieser Zeit begann auch Google, eine bedeutende Rolle zu spielen, während Apple gerade alles auf eine Karte setzte und seinen einzigen vielversprechenden Trumpf, Steve Jobs, auszuspielen gedachte. Wir befinden uns fünf Jahre vor Facebook, und ein soziales Internet gab es noch nicht.
2003 wird YouTube gegründet, das meiner Meinung nach seit der Gründung von Microsoft 1978 und Google 1998 der bedeutendste historische Technologieschritt ist. Das Teilen von Videos wurde zum Begriff und erhielt eine völlig neue Bedeutung. Millionen von Nutzern beginnen, es zu verwenden, und 2006 wird es von Google übernommen - was schlicht als ein Zusammentreffen von Revolutionen bezeichnet wird. YouTube war perfekt getimt, doch seinen überwältigenden Erfolg verdankte es außerdem drei Dingen.
Das eine war die Revolution des Videofilmens: Damals kamen günstige Handkameras und Mobiltelefone auf den Markt, die gerade gut genug zum Filmen waren, und ermöglichten so auch der breiten Masse, den Alltag festzuhalten. Zweitens kamen soziale Websites wie Myspace, Wikipedia oder das inzwischen völlig verschwundene Digg auf. In diesen Websites nahm Gestalt an, was wir als Web 2.0 kennen. Und schließlich war da die kulturelle Revolution, deren einziger Antrieb ein Bedürfnis dieser Generation war, das auf YouTube zur Bewegung wurde und sich gegen die Medien und all ihre Ausdrucksformen richtete. Wie es nun einmal so ist: Wo etwas Massenhaftes entsteht und alle menschlichen Maßstäbe sprengt (35 Stunden hochgeladene Videos pro Sekunde), tauchen auch außergewöhnliche Werke und Lebensgeschichten auf - oder genau das Gegenteil, ein widerwärtiger Haufen Scheiße. YouTube stellte jedem einen Pass aus, der sich durch seine Leistung - ob positiv oder negativ, wertvoll oder erbärmlich nutzlos - von der Masse abzuheben vermochte. Das Netz brachte also seine eigenen Stars hervor, Kultfiguren und beinahe schon legendäre Gestalten. Wer weiß denn nicht, wer das Star-Wars-Kid, die Chop-Suey-Jungs, der Evolution-Of-Dance-Wichser oder der coolste größte Arsch der Welt ist?
Doch kehren wir langsam zu heimischen Gewässern zurück, denn auch hier gab es reichlich extreme Leistungen. Die größten Schandflecken des heimischen Videomachens möchte ich jetzt nicht hervorheben, denn wer neugierig war, konnte sich jahrelang Balázs und Mónika ansehen, die Fürsten des unvertretbaren Abschaums. Sprechen wir lieber über die außergewöhnlich talentierten ungarischen Hobby-Nutzer, die sich all unsere Anerkennung redlich verdient haben. Zum Einstieg gleich die Arbeit von Greyhound und Underdog – ein derart professionelles Werk, dass man nur sagen kann: Hut ab, ihr Technikfreaks und Analog-Geeks. Und wie könnten wir die weltweit äußerst erfolgreichen Bearbeitungen eines Ausschnitts aus dem Film Der Untergang mit Hitler vergessen? Hunderte Versionen sind bereits hierzulande entstanden, doch den ersten und zugleich größten Erfolg erzielte das Video zur Volksabstimmung.
Und damit sind wir angekommen, denn ich habe mir das beste Werk für den Schluss aufgehoben, das in Sachen Kreativität und Professionalität eindeutig alles aus den letzten Jahren übertrifft. Ich denke, jeder erinnert sich an die Börsencrashs im September 2008, die von den Akteuren der Wirtschaft als Lehman-Brothers-Kreditmarktkrise bezeichnet wurden. Aktien, Investmentfonds, der BUX und die Börsen weltweit gingen in einen Sturzflug über, unglaubliche Verluste machten die Runde, und es gab keine Stunde, in der nicht mindestens eine Blue-Chip-Aktie vom Handel ausgesetzt wurde. Doch selbst in dieser Lage war OTP führend und verlor innerhalb von drei Wochen fünf Sechstel seines Wertes. Darum geht es in diesem Video, und es enthält Szenen, bei denen ich seit zweieinhalb Jahren weine. Auch an dieser Stelle Glückwunsch an Dandog, denn das Ding ist riesig geworden, wie ein verdammt großes Haus.
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„Mein Geld in Aktien zu stecken, weiß ich, war ein grober Fehler, Mit zwei Schachteln Andaxin sehe ich mir eine Nachrichtensendung an. In Wertpapiere investiere ich nie wieder. Das Geld ist am roten oder schwarzen Tisch besser aufgehoben. Jeder, der glaubt, dort gewinnen zu können, hat Federn am Rücken. Denn das Geld nimmt immer die Bank mit. Bei diesem Spiel teilt man dir keine Karten aus. Was du hier setzt, lässt du so oder so dort! Wenn auch du nicht wirklich verstehst, wo das Geld ist, das du verloren hast. Denn Geld verschwindet nicht, es wechselt nur die Brieftasche, oder?“
Ja, es gibt im Leben ein paar Dinge, in die man einen Betrag steckt und von denen man mit großer Wahrscheinlichkeit niemals im Leben auch nur einen Cent wiedersieht. Dazu gehören Frauen, Partys und Versicherungsgesellschaften. Geld, Geld, Mösen, wie wir wissen, die drei wichtigsten Dinge im Leben. Es ist nämlich Folgendes passiert: Generali hat mich angerufen und mitgeteilt, sie hätten den Schaden begutachtet und würden für den Austausch des Parketts auf sechs Quadratmetern 28.000, also achtundzwanzigtausend Forint, veranschlagen. Typische „Scheißt euch einen Igel“-Gedanken schwirren mir durch den Kopf, und gleichzeitig kommt mir diese unglaubliche Großzügigkeit völlig übertrieben vor. Plötzlich weiß ich nicht, welcher Beruf in der Gesellschaft am meisten verachtet wird, denn die Konkurrenz ist stark. BKV-Kontrolleure, Mitarbeiter der Steuerbehörde, aber da auch die Wartungstechniker, Parkraumkontrolleure – doch ich glaube, zu dieser illustren Truppe gehören für mich jetzt auch die Mitarbeiter von Generali.
So viel zum politischen Dreck, denn dieser Anruf war nur der Anfang von etwas, dessen Ende eine Wand ist, gegen die ich gerade erfolgreich gerannt bin.
Die Schlaflosigkeit quält mich, obwohl ich Schlaf jetzt dringender als alles andere gebraucht hätte. Seit Wochen habe ich nicht mehr so beschissen geschlafen, wobei Schlaf vielleicht nicht das beste Wort für den Zustand ist, den ich heute hingelegt habe, denn das Problem war genau, dass von Schlaf überhaupt keine Rede sein konnte. Das ist so ein typischer Fall, wenn dein Körper schon so müde ist, dass du nicht einschlafen kannst, und das hat meinem Tag dann auch den Rest gegeben. Ich verstehe das alles sowieso nicht: Während des Xbox-Abends bin ich bei einem Kumpel sitzend eingeschlafen, aber zu Hause konnte ich dann nicht einschlafen und habe mir deshalb mit Fernsehen die Zeit vertrieben. Um drei Uhr nachts habe ich mir statt zu schlafen die Sendung Cake Boss auf dem Discovery Channel angesehen. Mitten in meiner Diät, verdammt noch mal. Das sind harte Sachen.
Nach so einem Abend konnte ich nicht viel Gutes erwarten, aber als wäre das nicht genug gewesen, habe ich mich beim Essen total verrechnet, das heißt, ich hatte kaum etwas gegessen. Abends komme ich nach Hause und denke: Wo ist die Schnorchelmaske? Die muss ich aufsetzen, denn ich gehe laufen. Ich spürte, dass es scheiße wird, ich wusste es, ich wusste ganz genau, dass ich nicht runtergehen sollte, aber der Plan und die gesteckten Ziele, na ja. Ich habe mir eine neue Route ausgedacht: über die Kettenbrücke, am Budaer Donauufer entlang, über die Elisabethbrücke zurück, durch die Váci utca und dann zurück zum Heldenplatz.
Hattet ihr schon mal ein Date, das in den ersten 3 Minuten verdammt peinlich war, während die erste Gelegenheit zum Abhauen noch eine halbe Stunde entfernt lag? Tja, ich fühlte mich ungefähr so beschissen, plus 3 Eimer voll Scheiße. Ich kann gar nicht sagen, wie übel mir der Lauf bekommen ist. Ich war müde, hatte nichts mehr im Magen, mein Körper verlangte nach Essen, und ich hatte noch mindestens 8 km vor mir. Diese Woche wollte ich mich völlig fertig machen, und gerade war ich auf dem besten Weg dahin. Als ich die Kettenbrücke hinauflief, hatte ich schon ernsthafte Probleme, aber bergab ging es mir kurz etwas besser. Der richtige Schlag in die Magengrube kam aber an der Elisabethbrücke. Dort brach ich zum ersten Mal zusammen, und von da an schleppte ich mich nur noch weiter. Bei der Váci utca erreichte ich meinen tiefsten und schlimmsten Tiefpunkt. Das Problem ist, dass es beim Durchziehen dieses Laufs nicht mehr nur auf die mentale Stärke ankam, denn mit anderthalb Stunden Schlaf mitten in einer harten Woche und ohne etwas gegessen zu haben, geht es nicht mehr um mentale Stärke.

Am Deák tér kam die Wand, und ich bin mit voller Wucht dagegengeknallt. Mein Körper gab mir zu verstehen: Jetzt reicht’s verdammt noch mal, und ich blieb nach 6,2 km stehen. Ich Idiotin hätte fast angefangen zu weinen, aber ich konnte nicht weiter, war körperlich dazu nicht in der Lage, und eine gewisse Grenze darf man nicht überschreiten. Mir ging es nicht gut, mir war schwindelig, und während ich auf die U-Bahn wartete, wäre ich beinahe ohnmächtig geworden. Das Problem ist, dass das nicht die Grenze meiner Leistungsfähigkeit ist, denn ich habe mich in einen Extremzustand getrieben, dessen Folge unausweichlich genau das war. Ich bin auf jeder Ebene erschöpft und muss mich unbedingt erholen. Ich habe verdammtes Glück, dass morgen Samstag ist. Nach Hause, Klamotten aus, duschen. Atáék rufen an und sagen, es gibt eine Party, ich soll ins 4Bró kommen. Ach, zum Teufel, ihr seid doch nicht normal.
Diese Sache hat mich geschafft. Morgen werde ich mich ausruhen, damit ich dann am Sonntag ins Fitnessstudio gehen und für Montag einen richtig heftigen Lauf einplanen kann. Meine Gedanken sind noch nicht ganz geordnet, aber ich plane 15 km. Kurz zu meinem Samstag: Ich habe 14 Stunden geschlafen. Abends gehen wir ins Mix, und das Warm-up findet bei mir statt, also eine weitere lange Partynacht mit Proteinshake.
PS: Den Beitrag „Bewusste Ernährung III. Frauen“ stelle ich gegen Donnerstag online, bis dahin gibt’s Musik. Ab 01:01 kommt die große Weisheit.
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