Dani 62 Tage später


.jpg)

6Tag 2: 94,7 kg Tag 0: 110,2 kg

Ich mag diesen Dani. Ein cooler Typ, mit Stolz und Schneid - das kann man von 80 % der heutigen Männer nicht behaupten. Vor gerade einmal zwei Jahren haben wir angefangen, mit einem Arschloch Geschäfte zu machen, das sich mit der Rückzahlung des Geldes Zeit ließ. Als wir dann losgezogen sind, um das Geld einzutreiben, kam Dani auch mit, und selbst in den brenzligeren Situationen hat der Kerl keine Angst bekommen. Wenn ich von Stolz spreche, meine ich damit, dass ich Dani in der letzten Zusammenfassung zweifellos in einem negativen Licht dargestellt habe, weil er meiner Meinung nach das Programm heimlich schleifen lässt. Ob das nun so war oder nicht, ist inzwischen völlig unwichtig, denn Dani hat sich seitdem zusammengerissen und die Messlatte verdammt hoch gelegt - und sie auch immer wieder übersprungen. So kam es, dass er bei unserem KSI-Lauf 3 km am Stück gelaufen ist und am Ende verdammt noch mal etwa 200 Meter gesprintet ist. Danach lief er, wie ihr auch in seinem Bericht weiter unten lesen könnt, die längste Strecke seines Lebens: 5,1 km. Das klingt nicht nach viel, aber wir reden von einem Menschen, der vor knapp zwei Monaten 40 Kilo Übergewicht hatte und immer noch mindestens 20 Kilo zu viel hat. Wenn jeder diesen Ehrgeiz und den Willen, es allen zu zeigen, in sich hätte, könnte sich die Pharma-Mafia nicht wegen ihrer 8.000-prozentigen Extraprofite die Hände blutig reiben, die dem Bewegungsmangel und der beschissenen Ernährung zu verdanken sind ...
Für das Ende des ersten Programms hatte ich 20 Kilo weniger eingeplant, aber Dani will auf 88 kommen. Fragt nicht, warum gerade so viel - das hat er selbst gesagt, das ist sein Ziel. Jedenfalls hatten wir es am 62. Tag schon fast erreicht. Der Abnehmprozess wird sich jetzt meiner Meinung nach allerdings verlangsamen, denn auch wenn Dani noch reichlich überschüssiges Gewicht hat, dämmert es seinem Körper langsam, dass es hier um eine erhebliche Gewichtsabnahme geht. Und weil er nicht weiß, wann dieser Prozess endet, wird er nach und nach die Handbremse ziehen. In so einem Fall muss man dem Körper mit einem sogenannten Ladetag kräftig eins auswischen, das heißt, man muss ihn austricksen, indem man einen Tag einlegt, an dem ruhig Pasta und auch kohlenhydratreichere Speisen auf den Tisch kommen. So täuscht man den Körper gewissermaßen und kurbelt den Stoffwechsel wieder an und beschleunigt ihn. Über Ladetage während des Abnehmens habe ich noch nicht gesprochen, weil das ein allzu heikles Thema ist und ich befürchte, dass ihr noch nicht so weit seid. Ihr würdet euch daran festklammern, und aus dem Ladetag würde eine Kette von Ausrutschern werden, die das Ende des Programms bedeutet. Jedenfalls schadet es nicht, wenn ihr wisst, dass es so etwas gibt. Der Ladetag ist übrigens ein wichtiger und notwendiger Teil des Diätprozesses, aber wie erwähnt auch sehr gefährlich, denn nicht jeder wird es schaffen, das Steuer wieder herumzureißen.

In Danis Programm hat sich so viel geändert, dass wir das Krafttraining komplett gestrichen haben und uns von jetzt an auf das Laufen konzentrieren. Kein übertriebener Eifer mehr im Fitnessstudio, denn im Moment sehe ich darin überhaupt keinen Sinn. Ich habe Herrn Dániel auch schon ein knackiges Cardio-Programm zusammengestellt, denn erst nehmen wir ganz einfach das überschüssige Gewicht ab, und dann formen wir es in seinem zweiten Programm (denn das wird es geben), soweit es geht oder seine erschlaffte Haut zulässt. Ja, die Haut wird eine ganz andere Geschichte sein, von der er sich wahrscheinlich nur durch eine Operation befreien kann. Darauf habe ich Dani allerdings schon vorbereitet ...
Danis Bericht 5.1
Der letzte Monat ist angebrochen!
Einerseits habe ich mich schon sehr darauf gefreut, denn es bedeutet: Ich bin auf der Zielgeraden! Die letzten zwei Monate waren schwierig, aber jetzt, wo ich sie hinter mir habe, waren sie gar nicht so schlimm. Im jeweiligen Moment leidet man, im Nachhinein betrachtet ist es ganz einfach. Und wie schnell die Zeit vergangen ist!
Mein aktuelles Gewicht: 94,7 kg.
Jetzt habe ich ein konkretes Ziel: unter 90 kg kommen! Ich habe mir 88 kg vorgenommen. Natürlich will ich das nicht so erreichen, dass ich, wenn nur noch eine Woche bleibt und 2,5 kg fehlen, mich völlig verausgabe, Entwässerungstabletten nehme und hungere, nur um mein Ziel zu erreichen ... Das hat keinen Sinn, denn innerhalb von zwei Tagen sind sofort 3 kg wieder drauf. Auch das will ich bewusst angehen, so wie bisher. Und genau deshalb wird es verdammt schwer! Am Anfang nehme ich mit 110 kg leichter 6 kg ab als mit 94 kg. Natürlich ist das auch noch leichter zu schaffen, als wenn ich 64 kg wiegen würde! :)
Heute hatte ich ein riesiges Erfolgserlebnis: Ich bin 5,1 km am Stück gelaufen! So viel bin ich noch nie in meinem Leben gelaufen. Leider kann ich die Zeit nicht nennen, weil ich bei Minute 22 versehentlich die Stoppuhr angehalten habe, aber für die Strecke habe ich ungefähr eine halbe Stunde gebraucht. Das ist mein größter Erfolg im letzten Monat! Und ich bin sehr stolz. Allerdings bringt das neue Herausforderungen mit sich: Von jetzt an gibt es kein Anhalten mehr! Ab jetzt gibt es keine kürzeren Strecken mehr! Und wenn ich daran denke, dass mir am Ende des Laufs beide Brustwarzen vom T-Shirt fast pflaumenblau gescheuert waren ... Da muss ich mir etwas einfallen lassen.
Ich war übrigens wegen des heutigen Laufs aufgeregt. Letzten Dienstag bin ich 3,5 km am Stück gelaufen und hatte das Gefühl, dass noch mehr drin war. Ich bin nur zufällig - im wahrsten Sinne des Wortes - einer ehemaligen Kollegin über den Weg gelaufen, und so haben wir uns verquatscht. Davon angespornt beschloss ich aber, am Samstag auf die Insel zu gehen und eine Inselrunde zu laufen. Ich wollte sehen, wozu ich fähig bin. Am Samstag um 11 Uhr vormittags machte ich mich auf den Weg, als ich am Donauufer unter der Margaretenbrücke einen Platten bekam. Das hat mir den ganzen Tag verdorben, denn von nachmittags bis spät in die Nacht hatte ich schon etwas vor, also musste ich den Lauf verschieben. Ich fragte mich, ob das ein Zeichen des Himmels war, dass ich die Strecke nicht schaffen würde.
Deshalb konnte ich gestern Abend schon nur schwer einschlafen. In Gedanken bereitete ich mich bereits auf den Lauf am Dienstag vor: Schaffe ich die 5,1 km ohne anzuhalten? Und den ganzen Tag über grübelte ich darüber nach. Na gut, nicht den ganzen Tag, aber jede Stunde fiel es mir wieder ein, und ich konzentrierte mich darauf.
Es hat mir sehr geholfen, dass Bence mit mir laufen gegangen ist. Ich dachte, wir würden die ganze Strecke zusammen laufen, aber nach einer Weile lief er in seinem eigenen Tempo zur Zitadelle weiter. Also lief ich allein weiter. Es war schon interessant zu sehen, wie wir nebeneinanderher liefen. Ich mit meinen 95 kg und er mit seinem durchtrainierten Körper. Und nicht mich haben die Leute auf der Straße angestarrt ... :)
Vor dem Lauf habe ich gefragt, wie er normalerweise seine Tiefpunkte überwindet. Er hat es mir erzählt ... Und während des Laufens musste ich innerlich lachen, als ich das Gefühl hatte, stehen bleiben zu müssen: Ich summte die Rocky-Titelmelodie vor mich hin und auf den letzten anderthalb Kilometern dann „The Final Countdown“ von Europe! :) Ich bin total bescheuert! :) Aber letztendlich hat es geholfen ... Dabei habe ich mich gar nicht darauf konzentriert, es kam einfach von selbst ... Außerdem habe ich Rocky noch nicht einmal gesehen ...
Also bin ich aufgeregt, denn die nächsten Wochen werden hart! Aber langsam zeigen sich die Ergebnisse ...
Dani
