Wirst du ein guter Vater sein? Ich werde der Beste sein.
Ein Brief an mich selbst und an alle zukünftigen Väter.
Zum Elternsein gehört etwas, womit viele Menschen nicht rechnen: dass du jeden einzelnen Tag eine Menge Dinge tun musst, auf die du überhaupt keine Lust hast.
Nachts aufstehen, morgens um sechs Frühstück machen, ein bis obenhin vollgeschissenes Kind baden, jeden Tag auf dem Spielplatz sitzen und es anschubsen, Sandkuchen backen, wenn es sich so ergibt alles opfern. Du kannst nichts machen. Entweder du machst es und ziehst ein tolles Kind groß, oder du machst es nicht und bist ein beschissener Elternteil, für den es überflüssig war, ein Kind zu bekommen.
Bei einem Unternehmen ist es genauso. Oft hast du keine Lust, willst es nicht, machst es nicht. Der ganze Ablauf, die verdammten Lieferanten, deine Partner, dass nie irgendetwas rechtzeitig fertig wird, gehen dir auf die Nerven. Du kannst das alles hassen und den ganzen Laden zum Teufel jagen, aber das kannst du nicht tun. Es geht einfach nicht. Oder doch, aber dann geht dein Unternehmen kaputt und du bist ein beschissener Chef, der kneift, unter Schwierigkeiten zusammenbricht und die Verantwortung für das Schicksal Dutzender Menschen übernimmt, ohne die Schwierigkeiten tragen zu wollen, die mit dieser Verantwortung einhergehen.
Oder da ist diese ganze Sache mit dem gesunden Lebensstil. Vielleicht hast du keine Lust zu trainieren, keine Lust auf Diät. Du kannst es bleiben lassen, aber dann wirst du scheiße aussehen, dich scheiße fühlen, und deine Persönlichkeit wird mit der Zeit völlig entstellt, denn Frustration entstellt, Frustration erzeugt Wut, und Wut hat noch nie etwas aufgebaut. Dann steckst du in einem Körper, den du selbst nicht an dir sehen willst, den du anderen nicht zeigen willst, der dich behindert, für den du dich schämst und der dich krank macht.
Entweder du machst es und hast einen guten Körper, der dich im Alltag unterstützt, Belastungen standhält, Druck aushält und dich am Leben hält, in dem es sich gut leben lässt. Du hast immer eine Wahl! Vieles kann man bleiben lassen, aber dann muss man in Kauf nehmen, ein beschissener Ehemann, ein beschissener Vater, ein beschissener Chef oder ein Heizkessel-Körper zu sein, aufgefressen von den eigenen Ängsten und immer vor allem davonzulaufen mit den Worten, dass man das nicht mehr aushält.
Oder du kannst ein guter Ehemann sein, den eine Frau vergöttert, ein guter Vater, zu dem man aufschauen kann, ein erfolgreicher Anführer, dem andere folgen, ein echter Mann in einem starken Körper, der dich notfalls sogar durch eine Wand trägt. Doch Letzteres bedeutet, jeden Tag knietief durch warme Scheiße zu waten. Da ist kein Platz dafür, dass du es nicht packst, dass du jetzt gehen musst, weil dir das zu viel und zu belastend ist, dass du so viel nicht schaffst und dir zu viel auf den Schultern lastet. Und vor allem ist verdammt noch mal kein Platz für Dämonen, denn wenn du gegen sie kämpfst, kannst du in keinem einzigen Bereich so abliefern, dass du gut bist.
Denn wenn du lange genug Angst hast, wird die Angst wahr.
Wenn du Angst hast, ob du ein guter Vater sein wirst, kannst du sicher sein, dass du keiner wirst. Wenn du Angst hast, was aus deiner Firma wird, wird deine Firma zugrunde gehen. Mit Angst hat noch nie jemand eine Schlacht gewonnen, ja nicht einmal ein Brettspiel.
Deine Entscheidung. Alles ist deine Entscheidung.
Jeden Morgen stehst du auf und entscheidest dich. Aber du musst dich jeden Tag aufs Neue entscheiden und jeden Tag zwischen deinen Ängsten und deinem Scheiß und dem wählen, dass du losgehst und auch das tust, worauf du verdammt noch mal keine Lust hast. Wenn du Angst hast, geh zur Therapie, wandere den Jakobsweg, verbringe drei Wochen in einem Kloster, mach eine Familienaufstellung, lerne atmen, balanciere über ein gespanntes Seil oder tu irgendetwas, das dich weiterbringt.
Denn meistens lautet die Frage nicht, ob du es schaffen kannst oder für die Aufgabe geeignet bist, sondern wann du dir selbst zutraust, dass du auch das Zehnfache davon schaffst.
Wer ein kleinmütiger Schwanz ist, sollte keine Kinder bekommen. Wer auch nur einen Moment lang daran zweifelt, ob er ein guter Vater sein wird, sollte lieber Zimmerpflanzen pflegen.
Und du, Tomi, wie geht es dir damit? Hast du Angst davor, Vater zu werden?
Ja.
Aber wirst du ein guter Vater sein?
Ich werde der Beste sein.
