Abwägen
Manche wollen einfach nur dünn sein, andere hingegen wirklich gut aussehen. Das ist leider nicht dasselbe. Auch wenn man für Schlankheit kämpfen muss, ist die eigentliche Herausforderung, die richtige Muskulatur aufzubauen, die einer Frau eine wirklich sexy Figur verleiht.
Trotzdem wollen die meisten Frauen keine Muskeln und nicht muskulös sein. Frauen führen ihr ganzes Leben lang einen erbitterten Krieg gegen sich selbst und ihr Aussehen. Die Zahl der gewonnenen Schlachten messen sie daran, wie niedrig die Zahlen auf der Waage sind. Diesen Kampf können sie mit einer gewöhnlichen Diät niemals gewinnen, denn die Waage bedeutet nichts. Nur der Spiegel zählt wirklich, aber die meisten Frauen werden das nie begreifen können.
Wie konnte die Waage zum Bestandteil des Lebens von Millionen Frauen werden? Warum bestimmt ein Gegenstand, auf dem bloß Zahlen erscheinen, ihr Wohlbefinden und ihr Selbstbild?
Die Antwort ist einfach. Frauen sind unfähig, sich realistisch einzuschätzen. Sie können sich nicht nur im Alltag nicht einordnen, sondern auch die Beurteilung ihres Aussehens hängt stark von der Außenwelt und der Gesamtheit der Meinungen anderer ab. Eine Frau findet sich selbst nie schön. Und wenn doch und sie einem für sie unverständlichen Blick oder, noch schlimmer, einer negativen Rückmeldung begegnet, kann sie in einem Augenblick alles über den Haufen werfen, was sie bis dahin über sich selbst gedacht hat: über den Umfang ihrer Oberschenkel, ihre Waden, die Größe ihrer Brüste oder sogar die Gewissheit ihrer Weiblichkeit.

Passen meine Schuhe farblich zu meiner Tasche? Macht dieser Rock dick? Lenkt mein starkes Make-up die Blicke der Männer zu sehr von meinem Dekolleté ab, das ich natürlich zeige, damit sie es bemerken, aber wenn sie das dann tun, raste ich natürlich total aus, weil sie mir nicht in die Augen sehen können? Widersprüche, völliger Mangel an Rationalität und ein emotionaler Zustand, der sich jede Minute ändert, ewige Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen. Das zeichnet Frauen aus, das ist die Welt der Frauen. Chaos und Unsicherheit.
In dieser Welt suchen Frauen nach Halt und hoffen auf Bestätigung, die sie meist von einem Mann oder von der positiven Meinung einer Vielzahl von Männern erwarten. Das ist der wichtigste Auslöser für die Suche nach einem Gefühl der Sicherheit. Für eine Frau gibt es weder Fakten noch beständige Faktoren. Sie brauchen nur den Anschein der Dinge, Illusionen, einen schönen Traum, an den sie glauben können. Wenn das Leben es aber so will, können sie sich auch das Gegenteil zu eigen machen. Eine Frau kann von allem überzeugt werden, man kann ihr alles einreden, selbst wenn die Koeffizienten der Gleichung völlig unverständlich sind.
Irgendwann kennt sich eine Frau mit den verschiedenen Männertypen aus und weiß ungefähr, was sie von welchem Mann erwarten kann: welcher Typ sie einfach nur ins Bett kriegen will, welcher Mann sie emotional übel verletzen wird. Aber das interessiert Frauen nicht. Sie glauben, weil sie glauben wollen, und sind zum tausendsten Mal bereit, in dieselbe Grube zu fallen, in der ihre Seele schon mehr als einmal verletzt und sie ausgenutzt wurden. Sie wissen, dass der Weg am Ende wehtun wird, aber wenn sich der Weg selbst gut anfühlt, wenn sie dabei hören, was sie hören wollen, und alles bekommen, was ihr Gefühl für Weiblichkeit und ihre Vorstellung von Schönheit nährt, scheißen sie auf die Tatsachen. Denn ihre Illusionen und ihre Eitelkeit sind stärker, als dass sie die Ereignisse rational betrachten könnten.

In der chaotischen Welt der Frauen gibt es nur einen sicheren Anhaltspunkt: Dinge, mit denen sich von Natur aus keine Gefühle verbinden lassen. Dazu gehören die Mathematik und die Welt der Zahlen. Die Waage eignet sich dafür perfekt und ist vielleicht der einzige gemeinsame Nenner, der Mathematik als etwas Beständiges mit der objektiven Bewertung des Aussehens von Frauen verbindet. Zahlen lügen nicht. Mathematik ist ein Faktor, den selbst das weibliche Gehirn nicht mit irgendwelchen Argumenten außer Kraft setzen kann, und auch Gefühle haben keinen Einfluss darauf.
Eine Frau wird dem Spiegel nie glauben, denn was sie darin sieht, kann sie einfach nicht richtig einordnen und sie wird sich selbst nie so beurteilen, wie sie wirklich ist. Frauen kennen ihre Schwächen und wissen, wie schrecklich beeinflussbar sie sind. Eine Frau glaubt der Meinung eines anderen Menschen tausendmal mehr, sei sie auch noch so subjektiv, als ihren eigenen Augen. Ich könnte tausendmal schreiben, dass die Waage nichts aussagt und dass du nicht dadurch eine tolle Frau wirst, dass die Zahlen auf der Waage ständig sinken, sondern durch das, was du im Spiegel siehst. Es wäre sinnlos, anhand von Tausenden Bildern zu zeigen, dass Muskeln nun einmal schwerer sind als Fett und dass du vielleicht gerade 53 Kilo wiegst, aber mit den Muskeln, die du für eine wirklich gute Figur brauchst, erst mit 60 oder 62 Kilo gut und wohlgeformt aussehen wirst.

Ich stelle dieses Bild hier rein, und in den Köpfen Tausender Frauen kommt die Erkenntnis auf: „Verdammt, ich habe recht, es kommt wirklich nur auf den Spiegel an.“ Dann fangen sie an zu trainieren, legen ein paar Kilo Muskeln zu und brechen zusammen, sobald die Waage +4 Kilo anzeigt. Dann beginnen sie mit extremen Diäten und machen so lange weiter, bis die Waage weniger anzeigt.
Muskeln geben dem Körper seine Form. Sie machen den Po rund und nicht schlaff wie durch eine Diät. Muskeln machen die Oberschenkel straff, und sie verhindern die Winkearme. Muskeln geben dem Körper Haltung und diese echten weiblichen Kurven. Weiblichkeit entsteht nicht durch einen abgemagerten Körper, bei dem das Skelett die Kurven vorgibt und darüber nur Gewebe und Haut liegen.
Das wurde vor mir schon hundertmal geschrieben, und wahrscheinlich wird es nach mir noch tausendmal geschrieben werden, aber all das spielt keine Rolle und wird nie eine Rolle spielen. Und zwar aus den Gründen, die ich oben beschrieben habe. So sind Frauen, so funktioniert das weibliche Gehirn, und daran werden weder irgendwelche Fachbücher noch Hunderte von Argumenten je etwas ändern können. Und was am meisten wehtut: Leider wird auch dieser Beitrag nichts daran ändern.
