Sommerliche Veränderung
Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue, sehe ich, dass es draußen verdammt kalt ist. Die Leute in dicken Mänteln kommen langsam aus dem Schock der dreitägigen Familien-Amokfahrt zu sich und stimmen sich seelisch auf das obligatorische Silvestertreffen ein.
Das ist die Zeit des Jahres, in der sich wirklich alle am wenigsten um Bewegung scheren, und mit derselben Leidenschaft auch um ihre Ernährung. Aber warum sollten sie auch nicht? Schließlich gibt es ja dieses magische Datum, den ersten Tag des neuen Jahres, den ersten Januar, an dem sich die Welt angeblich auf den Kopf stellt, Geschichte umgeschrieben wird und Zeitzonen entstehen - oder ich weiß auch nicht, was die Leute dann glauben oder worauf sie hoffen, wenn sie ihre Erlösung einzig und allein davon erwarten: neues Jahr, neue Hoffnung.
Jetzt ist noch alles drin. Jetzt ist es sowieso egal, denn Weihnachten sieht bei uns ungefähr aus wie ein hungerndes äthiopisches Dorf bei der Verteilung von Nahrungsmittelhilfen des UNICEF. Zu dieser Zeit essen wir, als gäbe es kein Morgen, und betrachten Weihnachten, als läge es außerhalb der astronomischen Zeitrechnung. Und wie in Las Vegas lebt auch an Weihnachten die Legende wieder auf: Was dort passiert, bleibt auch dort. Das Jetzt-darf-man-ruhig-Gefühl trifft auf den ganzjährigen Liebesausgleich in den Familien, der sich ja meistens in Form von Essen äußert, und diese Kombination kann wahre Wunder bewirken - zumindest, was die Anzahl der verzehrten Kalorien und die nach den Feiertagen auftretenden Körperbildstörungen angeht.
Gegen Ende des Jahres, also von Mitte November bis zum bereits erwähnten göttlichen ersten Januar, neigen die Menschen dazu, in diesen Jetzt-ist-eh-alles-egal-Zustand zu verfallen, denn die Feiertage stehen an, ganz zu schweigen von Silvester, dem Fest des Alkohols. Jetzt ist sowieso alles völlig egal, denn bald kommt das neue Jahr, dann, dann holen wir alles wieder auf, jetzt zählt nichts.
Diese an Daten geknüpften Meilensteine und besonderen Ereignisse sind ja ganz nett, bei denen wir einzig und allein erwarten, dass sich unser Leben zum Besseren wendet, sobald wir ein bestimmtes Datum erreichen. Als würde sich mit dem Eintreffen dieses Zeitpunkts irgendetwas ändern. Tausend Jahre wären nicht genug, um den Menschen klarzumachen, dass sich ein Montag in nichts von einem Mittwoch unterscheidet, der erste Januar genauso ist wie der 22. Februar, die Waage kein Maßstab für deine Entwicklung ist, Mitternacht nichts von irgendetwas trennt, und ich könnte diese völlig irreführenden Scheißideen noch lange aufzählen, aber darum geht es jetzt nicht, und in letzter Zeit habe ich ohnehin keine Lust, mit einer Wand zu reden.

Der Punkt ist, dass am 1. Januar die Sonne genauso aufgehen wird wie bisher und sich auch in deinem Leben nichts ändern wird, nur weil du jetzt statt 2013 eben 2014 schreibst und immer noch das Gefühl hast, das du schon letztes Jahr hattest: dass du etwas ändern solltest.
In diesem Beitrag geht es aber nicht darum: neues Jahr, neue Hoffnungen, diesmal schaffst du es, diesmal fängst du mit einem unbeschriebenen Blatt an. Denn wie die geistig Begabteren aus dem bisherigen Unterton des Beitrags vielleicht schon erkannt haben, wird es hier verdammt noch mal nicht darum gehen. Diese Art der Selbsttäuschung überlasse ich den anderen, vollkommen charakterlosen Massen-Müll-Fitnessseiten, denen heutzutage vermutlich sowieso jeder täglich auf Facebook begegnet.
Während dieser Beitrag geschrieben wird, ist der 28. Dezember 2013, und wir sind gut ein halbes Jahr von den ersten Sommertagen entfernt. In dieser Zeit können selbst die kreativsten Köpfe der Welt und zugleich die größten Modediktatorinnen, also alle Frauen, zumindest in den nächsten Tagen und noch 2-3 Monate lang sicher lösen, wie sie die Körperstellen verbergen, die sie nicht zeigen wollen. Was sie womit anziehen müssen, damit es so aussieht, aber wirklich nur so aussieht, als gäbe es überhaupt kein Problem.
An diesem Punkt werde ich zwiespältige Gefühle haben, denn wie zum Teufel kann es sein, dass Frauen, wenn es ums Anziehen und darum geht, ihren Körper zu zeigen, einerseits ihre Makel genau erkennen, ihre Situation im Zusammenhang beurteilen und ihre Probleme mit schneiderischer, ja fast schon ingenieurwissenschaftlicher Präzision lösen, aber wenn man dasselbe auf irgendeinen anderen Lebensbereich überträgt, zeigen sich gewaltige Probleme? Wie kann es sein, dass es ihnen in solchen Momenten nicht nur keine Schwierigkeiten bereitet, rechts und links zu unterscheiden, sondern sie sich auch millimetergenau an ihrem Körper orientieren können? Entfernungen mit Laserpräzision einzuschätzen, den Fall des Rocks an ihren Beinen, die Linienführung von Blusen und Oberteilen an der Taille. Eine verdammte Karte zu lesen oder irgendetwas räumlich einzuordnen, das klappt nicht, aber sich jede Minute des Lebens so zu bewegen und den Körper so zu halten, dass er aus 360 Grad für den letzten Männerblick gut aussieht, das kriegen sie ein Leben lang problemlos hin. Egal, lassen wir’s. Völlig sinnlos. Ich weiß nicht mal, warum ich mich darauf einlasse.
Für viele mag es noch weit entfernt scheinen, aber trotz der kalten Abende und des tobenden Winters ist der Sommer schon näher, als wir denken. In 6 Monaten beginnt der Juni, aber vergessen wir nicht, dass es schon ab Mitte April schön warm ist. Die Tage, an denen zwischen unserem Körper und der Außenwelt nur noch eine hauchdünne Stoffschicht liegt, rücken also unaufhaltsam näher. Was Pullover und Wintermäntel jetzt noch locker verdecken und was die schwarze Strumpfhose jetzt noch diskret verbirgt, wird irgendwann keine Option mehr sein.

Es gibt ein Sprichwort: Über die Brücke muss man erst gehen, wenn man dort angekommen ist, oder so ähnlich. Nun, was die Formung unseres Körpers angeht, stimmt das überhaupt nicht. Jetzt glaubst du noch, dass du mit dem Anfang warten kannst und bis zum Beginn der warmen Jahreszeit noch jede Menge Zeit hast, um mit irgendetwas anzufangen. Aber die Lebensphilosophie „Ach, dafür haben wir noch Zeit“ hat schon bei Herrn Pató Pál nicht funktioniert, und bei dir erst recht nicht.
Eine ganze Branche hat sich schon auf die Menschen eingestellt, denen erst etwa im Mai klar wird, dass sie sich bald an den Strand legen müssen, die Festivalsaison beginnt und die Zeit der sehr kurzen Röcke und der alles zeigenden Oberteile anbricht. Aber selbst wenn du nirgendwohin fährst, musst du trotzdem existieren und bei 35 Grad auf der Straße unterwegs sein.
Ich sage: Verschon dich mit 7-Tage-Diäten und ähnlich langen Diäten, mit dem Scheiß, der als Turbo-Abnehmkur ausgegeben wird, und mit Abnehmpillen, die höchstwahrscheinlich dein Nervensystem ruinieren. Und wenn du dich unbedingt wie ein Hofnarr fühlen und den Flabélost ausprobieren willst, dann steig lieber in den Bus der Linie 7 oder auf die Waschmaschine und lass dich dort ordentlich durchschütteln. Schnell und sichtbar abzunehmen wird nicht klappen. Wenn dir Mitte Mai einfällt, dass Anfang Juni ein Urlaub ansteht, bei dem du irgendwie vorzeigbar sein solltest, kann ich dir höchstens raten, den Kopf gegen die Wand zu schlagen und dich zu fragen, warum du nicht auf mich gehört hast, als ich vorgeschlagen habe, spätestens im Februar mit der Vorbereitung anzufangen.

Schnelles Abnehmen gibt es nicht. Dafür ruinierst du damit höchstwahrscheinlich deinen Körper und siehst auch noch beschissen aus. Das predige ich schon seit Jahren, ebenso wie etliche meiner Kollegen, aber ich mache mir keine Sorgen, dass trotzdem im Frühjahr 2014 Zehntausende versuchen werden, in einer Woche 20 Kilo abzunehmen. Und die Geier des Abnehmgeschäfts werden über ihnen kreisen…
Genau deshalb und damit wir diesen unendlich erbärmlichen Zustand vermeiden, möchte ich jetzt allen eine Alternative ans Herz legen. Ein gestuftes System, mit dessen Hilfe du bis zum Beginn der warmen Jahreszeit noch alles erreichen kannst, vorausgesetzt, du fängst rechtzeitig an.
Eine Alternative also, ein gestuftes System, mit dessen Hilfe du das Maximum aus deinem Körper herausholen und in der Jahreszeit, in der du am wenigsten Kleidung trägst und die größte Fläche deines Körpers zu sehen ist, mit deinem Aussehen prahlen kannst.
Die emotionalen Grundlagen der Methode. Darum geht es im nächsten Beitrag…
