Petra 45 Tage später
„Ich würde dir jetzt so gern etwas sagen, Tomi, aber wenn ich es dir sage, versprich mir, dass du nicht völlig ausflippen wirst …“


Tag 0: 67,2 kg Tag 45: 57,8 kg


68 km Laufen, 13 Krafttrainingseinheiten, -9,8 kg und im Schnitt 6,54 cm schlankere Körperpartien in 45 Tagen
Ich habe immer mit Anerkennung und Respekt auf Menschen geschaut, die anderen etwas mitgeben konnten, wodurch sich die anderen weiterentwickeln und natürlich auch sie selbst, indem sie anderen ein Beispiel geben und im Leben vorankommen. Petra ist so eine Frau, zu der alle voller Anerkennung aufschauen sollten. Ihr seht zwar nur die Wochenzusammenfassungen und die Ergebnisse, aber nicht, welche Leistung und streng eingehaltene Diät dahinterstecken. Was diese Frau macht, ist beispielhaft, zumal Petra einen der am schwersten formbaren und ungünstigsten Körpertypen hat: Sie ist endomorph, und selbst um ihr Gewicht einfach nur zu halten, muss sie ständig aufpassen, ganz zu schweigen vom Abnehmen und Formen. Petra geht mir nun schon seit 45 Tagen mit ihrem Blödsinn auf die Nerven, und in dieser Zeit entsteht ein neuer Mensch. Aus ihr wird eine viel selbstbewusstere und glücklichere Frau, wobei nicht auszuschließen ist, dass sie nur deshalb so glücklich ist, weil sie vor zwei Tagen 170.000 Forint im Einkaufszentrum Aréna für neue Klamotten ausgegeben hat, weil die alten einfach nicht mehr saßen. Tja, 9 Kilo sind eben 9 Kilo. Nach den vier Monaten, die wir inzwischen gemeinsam auf dem Blog verbracht haben, dürfte den meisten langsam klar werden, dass ein Leben voller Abnehmen, Diät und Sport einem mehr gibt, als dass man einfach 5-10 oder wer weiß wie viele Kilo verliert. Wenn ein Programm zu Ende ist, wird sich alles, ich wiederhole: ALLES, um dich herum verändern. Denn was passiert?
Wenn du dich an eine Diät hältst, stellst du dir selbst Regeln auf, die deinem Alltag Struktur geben. Durch gesunde Lebensmittel verbessern sich dein Wohlbefinden und deine Gesundheit, und indem du deine Trainingseinheiten durchziehst, entwickelst du dich als Mensch weiter. Disziplin, Durchhaltevermögen, Verzicht, Wille, Leistung. Die Olympischen Spiele sind nicht umsonst das weltweit meistgehypte und angesehenste Ereignis. Die Sportler einer Nation, hinter denen unglaublich viel Arbeit steckt. An der Hochschule gab es einen echten Schwachkopf als Soziologielehrer, der die Frage stellte, wer unserer Meinung nach an der Spitze der gesellschaftlichen Rangordnung steht. Damals war ich zwar noch kein solcher Gesundheitsfanatiker, aber da ich seit meinem fünften Lebensjahr Fußball spielte und Sport mein ganzes Leben geprägt hat, schoss mir die Antwort auf die Frage des Lehrers sofort heraus: Sportler und Olympioniken. Da konnte der Lehrer doch tatsächlich sagen, nein, es seien die Politiker. FICK DICH, dachte ich mir… Na ja, jedenfalls sind Sportler meiner Meinung nach die größten Könige, und zu meinem größten Bedauern werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit nie mehr auf einem Podium stehen und mit einem Kloß im Hals die Nationalhymne hören, weil ich mit 15 so ein Idiot war, dass ich… Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen. Hauptsache, ihr macht es, setzt euch ein Ziel und jeder besteigt sein eigenes Podium oder scheidet in der Qualifikation aus, jeder dort, wo er hingehört. Das wird die Zeit schon entscheiden.

Petra lebt allein, das heißt, niemand steht ihrem Training im Weg. Da ist kein haltloser „Mann“ ohne Zukunftsperspektive an ihrer Seite, den Frauen gerne ihren Freund nennen. Sie lebt nicht bei ihren Eltern, die sie ständig mit allerlei Scheißessen füttern wollen, und Gott sei Dank wohnt auch die Oma, die in jeder Familie den Status der Konditorin innehat, 250 Kilometer entfernt. Das heißt, sie ist nicht einer endlosen Autobahn voller Apfelkuchen und Strudel ausgesetzt, und anscheinend gehört Petra auch nicht zu der erbärmlichen Gesellschaft der Selbstzerstörer. Ihr Arbeitsplatz ist natürlich voller übergewichtiger Frauen in Beziehungen, obwohl ich letztes Mal, als ich sie besucht habe, jemanden gesehen zu haben glaubte, der nur 3 Kilo zu viel hatte. Das habe ich nur aufgeschrieben, weil es diese 5 Berührungspunkte gibt, an denen eine Diät scheitern kann: Beziehung, Familie, man selbst und der Arbeitsplatz. (Dann sind es ja nur vier.) Über die Fallstricke in Beziehungen habe ich schon früher geschrieben, aber das kann man nicht oft genug sagen, denn dieses Thema bringt mich mehr auf die Palme als die Texte von Tóra W Árpád. Ich erspare allen ein paar Zeichen und möchte alle Menschen (auch Frauen), die in einer Beziehung leben und das Gefühl haben, vom anderen keinen Mehrwert fürs Leben zu bekommen, oder sehen, dass es in ihrem Leben nicht vorangeht, bitten, sich selbst den Gefallen zu tun und die Bremse aus ihrem Leben zu räumen, wegen der sie seit Monaten, vielleicht sogar Jahren auf der Stelle treten. Jeder hat unterschiedlich viele Runden auf dem Karussell des Leidens hinter sich. Und dasselbe gilt auch für Freunde und im Grunde alle in eurem Umfeld, die Energievampire sind und in eurem Leben nur die Rolle haben, euch am Weiterkommen zu hindern.
Eine Veränderung des Lebensstils ist viel, viel komplexer, als fünf Wochen lang Salat zu essen und Mineralwasser zu trinken. Es ist völlig egal, welche Diät du machst und wie viel du damit abnehmen wirst. Völlig egal, denn früher oder später wirst du nach dem Ende der Diät alles wieder zunehmen, und wahrscheinlich sogar noch mehr. Bei einer Veränderung des Lebensstils – wie der Name schon sagt – veränderst du dein Leben. Du änderst deinen bisherigen Lebensstil und Rhythmus, und zwar deshalb, weil das, was du bisher getan oder für richtig gehalten hast, offensichtlich nicht funktioniert hat. Im Leben hängt alles mit allem zusammen, und die Fäden des Lebens sind eng miteinander verwoben. Denn sobald wir uns selbst und unseren Körper vernachlässigen und uns nicht um ihn kümmern, ist wahrscheinlich auch in unserem Inneren nicht alles in Ordnung. Der Rhythmus stimmt nicht, wir führen ein unglücklicheres Leben, als wir es uns wünschen, und an unserer Seite ist kein Partner, der uns angemessen inspiriert. Wir umgeben uns mit Menschen, die wir selbst auswählen, und es hängt einzig und allein von uns ab, wie viel sie uns geben können oder wie viel sie uns nehmen. Wir wählen unsere Partner, Freunde und Kumpel selbst aus, und wir entscheiden, mit wem wir täglich oder wöchentlich Kontakt haben. Wir und nur wir gestalten unser Leben, indem wir die Menschen an unsere Seite wählen, mit denen wir uns in diesem großen Strom namens Leben vorwärtsbewegen oder in dem wir untergehen, weil die sogenannten Freunde uns nur nach unten ziehen.

Menschen, deren unsichtbare Hände auf unseren Schultern liegen und uns festhalten, wenn wir losgehen wollen. Sie lassen uns nicht los und werden es auch nie tun, denn das sind Menschen, die die Entwicklung anderer als ihr eigenes Scheitern erleben. Meistens sind diese Menschen am Ende der Seile, die uns lähmen, und das auch noch, ohne dass wir es bemerken, denn manchmal sind die größten Minenkrieger unseres Lebens und unserer Entwicklung diejenigen, die wir am meisten lieben oder denen wir uns am nächsten fühlen. Eine Partnerschaft ist eine der wichtigsten und prägendsten Beziehungen im Leben eines Menschen, genau deshalb ist sie auch eine der gefährlichsten. Mit wem du zusammenlebst, bestimmt dein Leben am stärksten und auch, ob es ein erfülltes Leben wird, in dem dein Partner dir hilft, dich unterstützt und dir im Alltag Kraft gibt, oder ob dein Partner dich in die Grundfesten eines beschissenen, nihilistischen Lebens der untersten Kategorie einbetoniert (aber ich hasse dieses Wort) und immer eine neue Schicht auf dich gießt, wenn du deines Lebens überdrüssig bist und weitergehen oder etwas tun willst, von dem du dir ein besseres Leben erhoffst. Wenn ich eine Frau liebe, lasse ich nicht zu, dass sie sich vernachlässigt, weder äußerlich noch sonst irgendwie, denn ich weiß genau, in welche Selbstwertkrise sie geraten wird und wie unglücklich sie im Alltag sein wird, wenn sie nicht so aussieht, wie sie möchte oder sich selbst schön findet. Deshalb werde ich ihr, wenn sie mich fragt: „Tomi, findest du, ich bin fett?“ niemals sagen: „Ach was, du bist nicht fett, so bist du gut, ich liebe dich AUCH so“, nur um einen zweifellos tornadoartigen Wutanfall zu vermeiden, denn ich weiß, dass ich ihr damit nur Gutes tue und ihr so zu einem glücklicheren Leben verhelfe. Ich höre schon die empörten Stimmen: „Du oberflächlicher Affe, nicht jeder steht auf Topfrauen“ (doch, tut er). Aber es ist ein gewaltiger Irrtum, das zu denken, denn das ist keine Oberflächlichkeit, sondern die Unterstützung und Förderung eines anspruchsvollen weiblichen Selbstbildes. Man muss unterstützen, zur Weiterentwicklung ermutigen und auf dem Weg inspirieren, wenn sie ihn erst einmal eingeschlagen hat. Die andere nicht vollstopfen, damit sie einem nicht wegläuft und bei einem bleibt, oder sie nicht unterstützen, wenn sie in der Hoffnung auf ein besseres Gehalt oder aus irgendeinem anderen Grund den Job wechseln will, denn man darf und kann niemanden in der sicheren, aber unglücklichen Scheiße festhalten. Die verdammten Bremsen im Leben, von denen du dich befreien musst, bevor es sinnlos ist, irgendwohin aufzubrechen, geschweige denn eine Diät und ein komplettes Trainingsprogramm anzufangen, denn du wirst sowieso scheitern. Jeder soll seinen passenden Partner und Freunde finden, auf die er zählen kann, die ihn unterstützen und mit denen er sich gegenseitig stärkend im Leben weiterentwickelt. Das ist gar nicht so schwer, denn manchmal braucht es für einen Neuanfang nur das.
Viele Menschen leben in einer unglücklichen Beziehung und lügen sich vor, glücklich zu sein, obwohl diese Beziehung nichts zusammenhält außer dem erbärmlichen, verzweifelten Klammern zweier schwacher Menschen aneinander. Petra ist das beste Beispiel dafür, was ein „Partner“ anrichten kann, der nicht zu uns passt und nicht in der Lage ist, einer Frau das gewisse Extra zu geben, nach dem sie sich sehnt. Nach zwei Jahren Selbsttäuschung stieg Petra am Boden zerstört, längst ohne Selbstachtung und mitten in einer schweren Selbstwertkrise aus der Beziehung aus - als 67 Kilo schwere Frau mit 13 Kilo Übergewicht. Seit dem 28. März machen wir das Programm, und was ich bisher schon geahnt hatte, ist inzwischen Gewissheit: Petra ist eine Frau, die anderen Frauen den Weg weisen und ihnen als Vorbild dienen kann. Ich bin wahnsinnig stolz auf die Kleine, und zwar nicht nur, weil sie von Tag zu Tag entschlossener wird und sich nun schon seit 45 Tagen an alle meine Anweisungen hält, sondern auch, weil sie neben dem Durchziehen eines zweifellos anspruchsvollen Programms auch bei der Arbeit ihren Mann steht - und das, obwohl sie sich nach eigener Aussage unendlich einsam fühlt, was bei Frauen ja Naturkatastrophen gleichkommt.

Petra hat mich gebeten, sie in den übrigen Wochenrückblicken möglichst nicht mehr bloßzustellen und sie nicht als dumme, blöde Frau hinzustellen, denn das sei sie nicht. Das ist sie tatsächlich nicht, aber sie verfügt über das gesamte Arsenal alltäglicher weiblicher Dummheiten, das bei Frauen ohnehin zur Grundausstattung gehört. Ihre Bitte ist also völlig berechtigt, und ich hätte ihr auch entsprochen. Dann ist allerdings etwas passiert, das meine Meinung über Petra in einigen Punkten geändert hat. Petra hat mich nämlich ganz schön verarscht, was ich 41 Tage nach Programmstart auf einer Bank am Teréz körút erfahren musste. Sie leitete es mit den Worten ein: „Ich würde dir jetzt gern etwas erzählen, aber wenn ich es tue, versprich mir, dass du nicht völlig ausrastest.“ Nicht, dass ich überrascht gewesen wäre, denn ich hatte schon mit genug Frauen zu tun, um zu wissen, wozu Frauen fähig sind, wenn sie jemanden anlügen müssen. Ich könnte stundenlang von Frauen erzählen, die auf mir saßen und dabei mit ihrem Freund telefonierten , aber das kommt in einen anderen Beitrag und hat auch nichts mit Petra zu tun. Nach 29 Minuten „Aber reg dich wirklich nicht auf“-Gelaber sagte sie schließlich, dass sie mir zu Beginn unseres Programms zwar 64 Kilo genannt hatte, in Wirklichkeit aber 67,2 kg wog. Nachdem ich zwei Mülleimer umgeworfen hatte, fragte ich sie, warum das nötig gewesen war und wie zum Teufel ich das jetzt im Blog kommunizieren sollte. Darauf gab sie mir eine typisch weibliche Antwort. Irgendetwas in der Art, dass sie sich dafür geschämt hatte, so zugenommen zu haben, und es SICH SELBST NICHT EINMAL ZUGEBEN KONNTE, und außerdem sei es doch egal, oder? An dieser Stelle glaube ich, dass ich angefangen habe zu weinen, denn wie sollte das bitte egal sein? Schließlich hatte ich Kalorien, Nährstoffzufuhr und Trainingsplan anhand ihres Ausgangsgewichts berechnet. Außerdem hatte sie dann nicht in 45 Tagen 6 Kilo abgenommen, sondern 9, und das ist nun mal nicht egal. Soll ich nach all dem etwa wirklich nicht sauer sein? Am liebsten würde ich mir in solchen Momenten eine Pistole nehmen und mich erschießen, nur damit ich mir den geballten Schwachsinn der Frauen nicht mehr in solchen Dosen antun muss. Mit dieser Aktion hat Petra übrigens ihre erste und zugleich letzte Chance verspielt, denn wie gesagt: Einmal kannst du mich anlügen, danach bin ich mit dir und deinem Programm fertig. Ab jetzt gilt also 67,2 kg als Ausgangswert. Hoffentlich werde ich nicht noch von weiteren Überraschungen getroffen, aber wahrscheinlich werde ich davon ohnehin nichts mehr mitbekommen.
Alles in allem und abgesehen von diesem Vorfall kommt Petra mit dem Programm sehr gut voran. Sie hat mehr als 9 Kilo abgenommen und plant bereits den Sommer, in dem ihr neuer Körper eine große Rolle spielen soll. Das kann er auch mit vollem Recht, denn am Strand wird sie nicht mehr wie eine fette, aufgequollene Schildkröte aussehen, wie damals, als ich auf sie gestoßen bin, sondern wie eine junge Frau, die in den Augen der Jungs schon in die Kategorie „Boah, verdammt, die würde ich so gern ficken“ fällt. Und für eine junge Frau, die im Sommer am Strand liegt, gibt es wohl keine größere Anerkennung …
Wenn wir schon von Frauen sprechen, auf die wir stolz sein können …

